Kaviar
„Die Eier werden jetzt von dem anhaftenden Ovarialgewebe getrennt.“
Deutschland ist wieder da, in aller Klarheit, in der sauberen Luft, und jetzt auch im Fernsehen. Nach Mexiko ist da jetzt wieder das Kuschelweichphaenomen mit vollem Realitaetskontakt, Fragen nach Zukunftsplaenen, Fahren im Phaeton, mal im Wald spazierengehen, die ganze Kosmetiklinie von Gertraud Gruber, die Villa im Voralpenland, und zwei Eltern. Und Nancy gefaellt das. Sie sieht auch nicht den krassen Unterschied zwischen dem, was ich will und diesem vanillenen hochoptimierten Oberklasseleben das hier gelebt und genossen wird. Ich hatte das zu lange, es langweilt mich; ich kann das eine Woche geniessen, aber dann muss ich auch wieder nach Berlin oder weiter nach vorn.
Nancy grunzt gerade unten auf einer Couch die mehr kostet als ihr Department. Nancy kann das gar nicht verstehen.
Es kam alles ganz schnell. Der letzte Tag, die Graffitis in México, der Rush unter Palmen zum Flughafen, noch Winterschuhe unterwegs. Dann der Kampf um die Ausreiseerlaubnis, das Visum zurueckgelassen in der Arbeit, da wollte ich einfach nicht mehr hin, last-minute-Bestechung an der Passkontrolle, dann Rotwein-Amsterdam-Berlin-München.
Wir sind jetzt hier im Schnee und ich verwechsle staendig Z mit Y auf der Tastatur. Besser fuer mein Passwort. Wir joggen, wir essen gut, wir fuehren angestrengte Gespraeche mit meinen Eltern am Tisch.
Der Vater streitet, schreit: Ich will meine Freunde treffen, und dabei hatte man doch so gehofft, dass all dieser Drogensumpf, dieses Verlorensein mit Business-Degree und Auslandseinsatz, dass all diese asoziale Lebensfreude doch nun mit Nancy ein fuer allemal ein Ende habe.
„Willst du mit den Drogen so weitermachen?“: Mutter.
Junkie-Sohn antwortet: „Ja, und schert euch nicht mehr drum.“
Verwundung.
Es wird dann auch eine Welt draus, mit Phasen. So Marlborowelt, langsam, schaedlich aber konsensfaehig. Mit Nancy und Eltern.
Nee, weg hier, raus.
Berlin.
bald