Berlin is here to mix everything with everything
Dezember 20, 2007Noch einen Song. Spiel noch einen Song, Joe.
Wir liegen mit Rotwein auf dem Bett und hoeren Led Zeppelin, live, No Quarter. Wie alle vier nur noch fliegen. Alles fliesst zu einem von der auf einmal zu eigenem Leben erwachten Kraft der Musik selbst gelenkten Orgasmus. Unplanbar ist sowas. Die reine Magie.
Und ich denk: Du lebst nur einmal: Deswegen auch schwuler Sex, Drogen und sich kaputt feiern. Deswegen auch jedes Verbot kippen. Alles dem Erleben unterordnen. Am Ende bezahlt dich keiner fürs Gehorchen. Und: Eine Sache zu erleben oder eine Sache zu verpassen: Wenn du es nur bewusst genug tust, ist es dasselbe Gefühl in derselben Intensität, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn du etwas nicht erreichen kannst, sollst du umso konsequenter scheitern.
Aber dann auch wieder: Vom Trueben in’s Klare blicken, dem sich erst rueckwaertig erklaerendem Weg zum Paradies entgegen.
Zwei, drei kokainhaltige Getränke später stehen wir im Sturm der Beats, im leeren Fluss der Gespraeche: „´n Kumpel von mir hat nen Zahn verloren, als er in nen Apfel gebissen hat… Oder nee, das war ´n Butterbrot.“. Grasgeruch: „Ey, ich bin halt so der typische „Hat-immer-freundlich-gegrüßt-hätten-wir-dem-nie-zugetraut“-Typ. Ich bin auch so der typische „Mit-Zigarette-im-Bett-eingepennt- und-verbrannt“-Typ.“ -„Oder jemandem einen jungen Eisbären als Hund verkaufen, hihi!“. „Gut, ich habe ein paar schlechte Angewohnheiten. Wie zum Beispiel Saufen bis kein Geld mehr da ist.“ „Und ich bestell so und die Alte so: -“Vitamin? Ja, einen Moment bitte..” und ich: “Nein: Ketamin.”, und die so: -“Achso. Wofuer brauchense’n das?” -“Keine Ahnung, das ist fuer meinen Nachbarn, der hat irgendein Problem mit seiner Katze.”. Wolltse mir aber nicht geben.“ „So, ich sauf mich jetzt tot: Fünfzig Tequila bitte!“
Es ist zwar schon immer ganz lustig, sich zu ixt auf einer Clubtoilette zu verlabern, aber irgendwie ist auch immer der der Coole, der dann nach der zweiten Line sagt: „Okay Leute, gehen wir mal wieder raus, bisschen tanzen.“. Es sei denn, es haben sich ein paar echte Labertaschen getroffen. Die lassen den einen halt gehen und ratschen ganz angeregt weiter und ziehen noch was und setzen sich dann ins Chillout und erleben ganz verbundene Momente im ersten Sonnenlicht. Dann geht man kurz tanzen und sieht sich nie wieder.
Als ich frische Luft atme, bin ich wieder in diesem überfeierten Zustand, in dem man sich nur mit kontinuierlichem Nachsaufen bei Bewusstsein halten kann. Das Geradegewesene ist schon vergessen, aus dem Nichts schlittere ich in einen verblassenden Moment der Verwunderung. „Entscheide dich für ein Leben ohne Drogen!“ schreit mir dann das U-Bahn Fernsehen von der Decke entgegen. Das ganze Abteil starrt mich an.