Ein Schritt weiter in eine Richtung. Ploetzlich ist alles mehr. Die Bedeutung der Arbeit, der Umfang, der Belegplatz im Gehirn. Mehr Zutrauen, mehr Erwartungen. Andere Situation, now get along. Aber, keine Ahnung, es gefaellt mir, wirklich.
Mann, sind die alle nett. Und huebsch. Und die Typen alle ein bisschen posh, jeder mit Gel, stolzer Gang, man weiss, wo man arbeitet. Und ich find das immer irgendwie nur geil und muss grinsen. Es gibt ja den Brauch hier, immer die Frauen vorzulassen, an Tueren, im Fahrstuhl, beim Einkaufen. Aus Respekt, so gewaehrt der freundliche Blick zunaechst. Doch kaum tut die Frau den ersten Schritt, wandert der ein Stockwerk tiefer und verweilt zufrieden auf dem meist gut und knackig ausladenden Arsch der so hoeflich Vorgelassenen.
“Das ist in der Miete inbegriffen.”, lacht Guillermo und haelt mir den Joint hin, dessen Geruch mir auch blind den Weg in meine Wohnung im vierten Stock gewiesen haette. Zwischen tiefen Zuegen zaehle ich ihm die Scheine hin. Er: Fotograf, spielt Bass, vermietet Wohnungen. Dabei sein Kumpel, spitzmaeusig, und ein Maedchen mit Accent. Erst geht der Spitzmaeusige, dann er.
Ich sitze auf der Couch mit der Franzoesin Mitte zwanzig, deren Namen ich nicht weiss. Und ich will auch nicht nochmal fragen, sondern erzaehl was wie ..die letzten sechs Jahre war ich in Berlin und…
sie, die Architekturstudentin mit schoenem Koerper und einem huebschen, auf eine ganz harmlose Art naiven, aber klugen Gesicht, knapp schulterlangen schwarzen Haaren, vieleicht 25, und, fast schon zu cliché: im schwarzen Kleid mit weissen Punkten, fragt mit franzoesischem Akzent : “¿Kennst du die Panorama Bar in Berlin?”. La Panorama Bar? Ja, eigentlich schon.
Sie ist gerade jetzt in Richtung Wohnraeume und Bad gegangen. Gleich kommen irgendwelche Freunde von ihr. Ich wuerde mir vorher noch mal gerne das Gesicht waschen. Aber ich bin ihr vorhin schon auf dem Weg zum Klo begegnet, als sie gerade davon zurueckkam. Wir trafen uns im Gang und die Blicke waren im Ausweichen komisch. Wenn ich jetzt nochmal da hin gehe und sie eventuell wieder im Bad ist, koennte sie vielleicht meinen, ich woellte mich ihr irgendwie naehern. Wir sind ja allein in der Wohnung. Diesen scheiss sexuellen Bezug nicht mal aus dem Kopf zu kriegen.
Ja komm, dann lieber noch’n Schluck, soll’n die besser das Party-Ich kennenlernen.
Und dann auf einmal, wie gewohnt…
Bonsai-Palmen zuechten. Das waer doch mal was. Darin aufgehen. Jetzt sitzen noch zwei so Mexikanerfreunde von der Franzoesin da. Maedchen und Junge. Saunett wieder. Auf dem Sofa er dann: “Traeumst du?”, und ich so bescheuert konspirativ: “Nein, ich…” Und er: “¡Aaahhh, claro!”. Am Dienstag dann zum Gespraech mit dem CFO eines grossen deutschen Automobilherstellers…
Ich machs einfach: “Gibt’s hier heute irgendwo ne Technoparty?”.”Ja, kennst du Justice?”, “Was?! Die Justice??”. Ja, die, legen heute in Mexico City auf.
Beschlossen.
Auf dem Weg zum Siglo 21. Der Taxifahrer kommt mir komisch vor. Ich habe vergessen, vor dem Einsteigen aufs Nummernschild zu achten. Bei offiziellen Taxen beginnt das Kennzeichen mit L. Auf den letzten Metern winken Menschen vom Strassenrand durch die Scheibe, alle auf der Suche nach einer Karte. Vor dem Club draengen sich ein paar hundert Leute, kaum einer aelter als 25. An der Kasse erfahre ich, dass ich ohne Ticket keine Chance habe.
Dann zurueck in die Zone Rosa. Noch schnell eine Flasche auf der Strasse geext, darauf stehen 24h Arrest, und ab in den ersten Club. Eintritt, Lage checken, raus. Dann in den naechsten. Halbschwul. Ich dance auf Raggaton und auf einmal umringen mich drei huefthohe Maedchen, bin deep in time aber out of joint, und verzieh mich ein wenig Richtung Spiegel. Gleich der Naechste, und der kann tanzen, Joshua, der Drehmove hier sehr beliebt. Er schaut ein wenig aus wie ein Ami, mit seinen kurzen, zurueckgegeelten und etwas anblondierten Haaren. Dazu die blaue Jacke. Wir reden ein bisschen, dann geh ich runter an die Bar.
WodkaBull fuer den Typen gleich neben mir am Tresen, stockschwul, Schleimsack, und fuer mich natuerlich. Dann wieder hoch tanzen. Als es leerer wird, nimmt mich Joshua in den naechsten Laden mit. Vollschwul. Im zweiten Stock ein Dancefloor, Trance, Action, sofort aufs Podest. Joshua haengt mir Lametta um den Hals waehrend wir tanzen und neben uns Maenner strippen. Am Rand ganz cool die Transen, und was fuer welche. Die eine schiebt mir ihren Arsch in den Koerper und Joshua macht vom Podest aus wild abschaetzige Bewegungen. Ich ueberleg mir ernsthaft, mit ihm mitzugehen, nur fuer den Thrill. Aber ich kann mich absolute nicht dazu ueberwinden, da hilft auch kein WodkaKirsch. Ich hau dann auf einmal ganz ploetzlich ab, fluechte fast, der Typ hat mich keinen Moment aus den Augen gelassen. Und die ganze Zeit: “Soy gay.”, und all die obszoenen Gesten.
Zuhause noch ein Joint mit dem deutschen Medizinstudenten. Zu vertraulich. Ketamin-Thematik, alles sehr einseitig. Dann irgendwie gelaehmt im Bett. Licht ist an. An der Decke haengen drei pappsatte Moskitos.