Archiv für September 2007

Pech oder Perspektive

September 30, 2007

Jetzt liege ich also in der neuen Wohnung, in dem quadratischen kleinen Zimmer mit verranztem Teppich und farbverkleckertem Blick auf das gegenueberliegende Fenster, keine drei Meter, und troeste mich mit Bier und Surfen. In Deutschland erregt man sich ueber Mumienpornographie - dann lieber paedophil - waehrend Monterrey im Dreck versinkt, weil man die Muellabfuhrwagen nicht repariert kriegt, und Mexico City im Regen. Einer der Mitbewohner laesst Raggaton laufen, saustumpfe Musik, ein durchgehender Rhythmus wippender Bikini-Titten, ein staendig gleiches Hispano-Gerappe, ein einziger Terror. Wie scheisse dumm einem die Sonne aus dem Arsch scheinen muss, um das geil zu finden.

Gestern mittag

hock ich dann recht verkatert im Restaurant und seh zu, wie sich der Typ an seinen gelben Socken kratzt. Nietzsche auf dem Tisch, Jenseits von Gut und Boese, auf Spanisch. Der gefaellt mir, end die Falten und genau wie ich schon ne Sonnenbrille auf um die Uhrzeit. Pennt fast ein. Ich bezahle, nehm den letzten Schluck und stolpere raus.
-Sei einfach mal nicht sone total dichte Sau, ich glaub das kommt grad ein bisschen besser.-
Das Seltsame ist, dass das mit dem Spanisch besoffen auf einmal echt gut funktioniert. Entschuldigung Señor, eine BANAMEX hier irgendwo? Geradeaus und dann links? Und welchen Bus? Und die hat auch Samstags auf? Gracias.

Was dann natuerlich nicht stimmt. Die Mexikaner haben naemlich die gleiche beschissene Angewohnheit wie die Inder, nicht zugeben zu koennen, dass sie auch nicht wissen wos langgeht. Und erzaehlen einem dann irgendeinen Scheiss. Am besten man fragt also alle Entgegenkommenden und nimmt den Mittelwert.

Fuer das gleiche Geld hab ich in Berlin in einem beinahe-Luxus-Apartement logiert. Aber was Organisation angeht bin ich absolut ungeeignet. Das war die einzige Wohnung, bei der ich es bis zur Besichtigung geschafft habe: -”Gut, abgehakt.”.
Jetzt ein halbes Jahr hier Wohnen.

Ab morgen wieder Anzug, eingeschnuert in eine Krawatte, in unbequemen harten Schuhen mit unsicherem Tritt, unter Karrieristen. Es ist nicht so, dass ich nicht versuchen wuerde, das Gute zu sehen. Aber wo denn bitte? Worin denn? Bei der Musik dann auch noch. Pech oder Perspektive, das kann ich gar nicht mehr auseinander halten.

slow

September 26, 2007

Ich lese zum zehntausendsten Mal Rainald Goetz’ “Rave” und denk mir: Entweder du schreibst richtig, nur noch, oder du laesst es. Du laesst es. Oder schreibst nur noch. Das ist noch so ein langer Weg.

“Wir sind frei.”
“Wir sind besser.”

Dazu das Bild des tanzenden Jungen auf dem Bett. Dixie-Klos auf den Osterinseln, anstelle von Steinkoepfen.
In Naechten wie dieser kommt dir das vor wie eine hoehere Wahrheit.

Die Osterinseln. Ob ich die je sehen werde. Persoenliches Drama. Milliardenfach. Sei froh, dass du was zu essen hast. Nichts daran ist sarkastisch. Eine bessere Welt. Nichts daran ist laecherlich. Haarfarbe, Augenbrauen and shit. Wo bist du eigentlich. Gerade. Raeumlich, zeitlich, gefuehlsmaessig.

Eine Visitenkarte im Wasser.

Mit den Augen von morgen betrachtest du den Pegel. Die halbe Flasche. Ochenta pesos, das hast du noch verstanden.
Moses ging auf den Berg und kam mit zehn Flaschen Wodka herunter. Aber unten tanzte bereits das ganze Volk, voll auf LSD, um das goldene Kalb. Allen Schmuck, jede Muenze, eingeschmolzen zu einem Kalb. Und tanzten. Dann kam Moe mit seinem scheiss Opium und seitdem steht es geschrieben, dumpf und klar, fuer alle: Du sollst. Du sollst nicht.

Ich werde dich immer lieben. Riech!
Wie dann das Goettliche ins Tierische umschlaegt, jedes Mal. Jeder Suechtige sehnt sich nach Reinheit.

In Naechten wie dieser..
Schaust du die Welt an,
Und denkst-
“So ist es.”

In Naechten wie dieser-
Bin ich die Koenigin..
Des Augenblicks

frustración

September 25, 2007

Meine Fresse. Komm hier kein Stueck weiter. Ich brauch irgendne Wohnung in der Naehe gewisser Metrostationen, aber sowas wie bvg.de oder berlin.de mit Stadtplan und so, sowas gibts hier nicht. Warum auch. Es ist ja nur die groesste Stadt der Welt, warum sollte man sich da die Muehe machen. Saugt mich das aus. Auch die Mexikaner, die sich teilweise - davon bin ich ueberzeugt - mutwillig dumm stellen. Verfickte Comanchen. Gestern wollte ich zum Beispiel einen Schwamm kaufen, fuer dieses clinique-Zeug, mit dem ich meine gelegentlichen Speedpickel bekaempfe. Geh ich also in sone farmacia und frag nach “einem Schwamm um das Gesicht zu reinigen”. Allgemeine Ratlosigkeit. -”Verstehst du den?” Nach x-maligem Wiederholen fuehrte mich die Verkaeuferin dann zu einem runden Kleenex-Doeschen. Ich so: “Nee, einen Schwamm. Um das Gesicht zu reinigen.”. Zeigt sie mir ein eckiges Kleenex-Doeschen. Nach einigem Hin und Her und Woerterbuchgesuche bringt sie mir folgendes: Einen Schwamm, zum Gesichtsreinigen. Aha.

Heute frueh wollte ich mal woanders Tacos essen und fuhr mit der Metro zur Station Benito Suarez. Das ist schon eher slummaessig. Man kommt die Treppen hoch und ueberall sind erst mal Staende, die dieses bunte Zeug verkaufen, das ich wohl nie probieren werde. Dahinter erhebt sich eine riesige Wellblechhalle, die man ueber eine breite Treppe erreicht. Drinnen erhebt sich Plateau um Plateau, alles voller Kleinstgeschaefte mit dem Ueblichen: Schulraenzen, Schuhe, Unterhosen.
Irgendwann kommt dann die Taco-Area. Ein Taco-Stand am anderen, alle verkaufen das gleiche. Ineffizienz scheint ein integraler Bestandteil der mexikanischen Kultur zu sein. Ich setzte mich auf eine Bierbank und bestellte bei der Bedienung drei Tacos. Darauf die Bedienung zum Koch. “Drei Tacos. Ohne Chili.”. Ich: “Doch, mit Chili.”. Sie: “Doch mit Chili. Aber wenig.”. Man nimmt mich hier offenbar nicht ernst.

Mittags dann zum Burger King. Dachte, das wuerde einfacher. Ich bestellte ein Whopper Menue, bezahlte, und die Bedienung meinte was von wegen “entregar”, das heisst ja “ueberbringen”. Ich dachte also, okay, das dauert noch und man wird mir den Burger dann ueberbringen, also suchte ich mir einen Platz in der Ecke, damit mich nicht jeder wie gewohnt anstarren kann, und wartete. Und wartete. Blickte ein paar Mal vorwurfsvoll zur Kasse rueber. Nach einer ganzen Weile stand ich auf und ging zur Bedienung und fragte wo denn meine Burger bliebe. Der, den ich vor einer halben Stunde bestellt hatte. Es stellte sich heraus, dass einem der Burger einen Meter links der Kasse uebergeben wird. Gekicher.

Sowas zieht mich runter. Erschwerend kommt hinzu, dass ich seit heute nachmittag mit der laecherlichsten Frauenfrisur aller Zeiten rumlaufe, weil der Friseur nicht verstand. Irgendwann holte er die Chefin, die mich auf Englisch ausfragte. Sowas ist erniedrigend.

Nee, eigentlich bin ich ja selber schuld, so wie immer. Ich stelle mich an wie der erste Mensch und wundere mich, dass das die Leute belustigt. Ich bin einem fremden Land. Ich bin viel zu duennhaeutig. Hier zu schreiben hilft. Ich setze einen gewissen Konsens voraus. Weiter.

Evita el Exceso

September 23, 2007

Saugeile Szene grad hier vorm Internetcafe: Kleiner Junge (10) kniet vor sehr kleinem Jungen (4), welcher zwei Stoeckchen in der Hand haelt, und fleht: “No me mates! Soy muy joven.”.
(”Bring mich nicht um. Ich bin doch noch so jung.”).

Prinzipiell: Kulturschock. Man wird ueberall angestarrt wie ein Neger. Schon mal allein die Hoehe, 2600m, da spuerst du jede Treppe. Und ueberhaupt. Es gibt hier megafette Kreuzungen, die von zwei (2) Ampeln geregelt werden. Dass muss dann fuer Geradeausfahrer, Linksabbieger und Fussgaenger reichen. Die Autos sind auch viel leiser als in Deutschland, man hoert die fast nicht kommen. Spanisch zwischen “Laeuft ja schon ganz gut” und “Alter, was laberst du denn fuern Dialekt?”. Naechstes Problem: Die Groesse. Zwergenstaat. Frueher oder spaeter werde ich mich an einem herunterhaengenden Stromseil erhaengen. Hab mir bereits zwei Mal uebelst den Kopf angestossen, das letzte Mal an der Tuer einer der drei dreckigsten Toiletten der Welt. Auch die Gerueche: Teilweise so uebel! Manchmal ist der Gestank so hart, so ausserhalb all dessen, was man in Deutschland je gerochen hat, dass man die ersten fuenf Sekunden gar nicht checkt was das ist und nochmal nachriecht und dann fast stirbt vor unterdruecktem Brechreiz.

Ueberall Militaer. Keine Ubertreibung: Auf einen Quadratkilometer kommen hier etwa 50 schwerbewaffnete Bullen. Vor jedem Schnapsladen, vor jedem Bohrmaschinengeschaeft (derer es hier ueberproportional viele gibt) steht ein Cop mit MP und kugelsicherer Weste. Als ich gestern den ersten mexikanischen Joint rauchte, kamen prompt hundert Bullen in weissen Hemden vorbeigejoggt, dass ich es schon zu absurd fand, um Angst zu bekommen.

Gestern mit einem Kumpel unserer Saengerin getroffen, der hier Landschaftsarchitektur studiert. Dabei noch eine politische Aktivistin aus Neuseeland und eine Mexikanerin, Biologin oder so. Bisschen was getrunken. Kommende Wochenende ist hier ne Party fuer die Autonomen. Wobei das nichts mit diesem Vorstadtsoehnchenautonomismus zu tun hat, den man in Deutschland praktiziert. Hier hat das einen ganz realen Hintergrund, die regierende Partei ist ultra-rechts und in Chiapas kaempfen die Zapatisten gegen eine Uebermacht schwerbewaffneter Soldaten.

Meine Aufgabe zur Zeit: Tacos essen, ohne das ganze Restaurant zum Lachen zu bringen. Bis jetzt noch nicht sehr weit gekommen.

Heute wollte ich mir dann mal eine Umhaengetasche kaufen, und zwar am Besten keine von Samsonite aus dem upper-class Kaufhaus. Also stuerzte ich mich in den wilden Markt um den Zòcalo. Links und rechts der Strasse tausende Staende, CDs, Fruechte, Unterhosen, Portemonnaies, Tacos, alles lautstark umworben. Wenn man einen Stand mit Schulraenzen sieht, heisst das noch lange nicht, dass die Umhaengetaschen verkaufen. Es gibt naemlich Staende fuer Schulraenzen, welche fuer Sporttaschen, welche fuer Handtaschen und welche fuer Umhaengetaschen. Letztere sind nochmal in maennlich/weiblich unterteilt. Wenn man dann nach hundert Staenden endlich einen fuer maennliche Umhaengetaschen gefunden hat, sind diese entweder haesslich oder das Umhaengegurt zu klein. Ich brauchte vier Stunden und danach zwei Corona.

Fernsehen auch sehr geil: Jede Werbung wird mit eingeblendeten Hinweisen zur Volksgesundheit unterlegt:

Fertigessen? -Iss mehr Fruechte.
Suessigkeiten? - Mach Sport.
Alkohol? -Vermeide den Exzess.

Evita el Exceso. Ich weiss jetzt schon, dass dies mein neuer Schlachtruf sein wird.

Mexico

September 21, 2007

Jetzt also in Mexico City. Begann schon mal gut mit dem Drogenhund hier am Flughafen, der sich direkt vor mein Gepaeck setzte, wahrscheinlich wegen irgendwelcher Gras- oder Koksreste oder auf was auch immer der abgerichtet war. Der Polizist zog ihn gleich weiter aber der Hund zerrte zurueck.
“Irgendwas zum Essen da drin?”
-”Nein.”.
“Frutas?”
-”No.”.
“Chocolatl?”
-”No, solo drogas.”, scherzte ich reinen Gewissens. Der Typ lachte nichtmal und zerrte den Hund mit Gewalt weg. Dann mit dem Taxi zum Hotel. Recht gesalzene Preise, 20€ fuer ne halbe Stunde. Den Taxifahrer verstand ich ueberhaupt nicht, wenn er zwischen seinen brechartigen Hustenanfaellen ueberhaupt was hervorbrabbelte. Im Hotel wusste man natuerlich nichts von einer Reservierung. AmEx nahm man auch nicht. Schlussendlich bekam ich doch mein Zimmer, sehr geraeumig und im insektenfeindlichen fuenften Stock. Ist mehr sone Art Pension.

Ich ging dann am Abend nochmal los und fragte an der Reception nach der naechsten Metrostation. “Insurgentes”, beschied man mich und das kam mir gleich bekannt vor. Insurgentes, Insurgentes dachte ich auf dem Weg, vorbei an dreistoeckigen Villen und speckigen Imbissen, und vier Strassen spaeter wusste ich, woher ich den Namen kannte. Ich stand naemlich mitten im Rotlichtviertel. Genauer gesagt genau vor dem Sexshop, der mir vor drei Jahren meine Lieblingsjacke versaut hatte. Damals hatte mich so ein Japaner aus der Jugendherberge hierhergeschleppt und wollte unbedingt in den Laden gehen. Ich meinte, ich warte draussen und rauch noch eine; aber dann wurde ich doch neugierig und ging hinterher, drueckte die Kippe aus und steckte sie in meine Jackentasche wo sie wieder aufglimmte und schliesslich ein fuenfmarkstueckgrosses Loch hineinsengte und herausfiel. Genau da stand ich gestern abend wieder. Aber in dieser so genannten “zona rosa” gibt es nicht nur Sexshops und Tabledance-Bars, sondern auch massen an Bars mit Livemusik, Verkaufsstaende mit gebrannten Goa-CDs und ne ganze Menge flanierender Homos. Ich rauchte dann an einer Strassenkreuzung unter einer Riesenpalme eine Zigarette und fuehlte mich komischerweise kein Stueck alleine.

Auf dem Rueckweg wollte ich noch was essen und kehrte in einem kleinen Schnellrestaurant an einer Strassenecke ein. Die Kellnerin kam und ich bestellte “dos Tacos”. Damit kann man nicht viel falsch machen, dachte ich. Aber die Kellnerin verstand nicht, egal wie oft ich wiederholte. Wobei sich hier schon mal die Frage stellt, was man an “dos tacos” falsch aussprechen geschweige denn verstehen kann. Schliesslich holte sie den Oberkellner zu Hilfe und der brachte mir dann ein paar Minuten spaeter zwei Teller mit je einem Taco. Man muss sich das vorstellen wie zwei aufeinandergelegte Eierkuchenhaelften, die mit Kaese zusammengepappt sind und am Teller festkleben. Nachdem ich das Ding ein paar ratlose Sekunden angestarrt und saemtliche Moeglichkeiten erfolglos durchgespielt hatte, holte ich diesmal gleich den Oberkellner:
“Wie isst man das?”
-”Mit den Haenden.”
“Ja okay, aber … wie?”
Der Kellner machte die internationale Hamburgerabbeissbewegung. Alles klar. Wir mussten beide lachen.

Im Hotel noch paar Coronas. Jetzt erst mal Orientierung verschaffen, Stadtplan und Woerterbuch kaufen, Bank suchen, warm werden.

Speedficken

September 19, 2007

Ich glaub ich könnte grad gut schreiben. Oder –
Auf der Oder schwimmt kein Schiff oder so ähnlich, sone alte Eselsbrücke um sich im Französischen die Sache mit oder und wo und dem accent zu merken.

Was übrigens stimmt; ich habe ein paar traurige Jahre dort verbracht, und die einzigen Schiffe auf der Oder waren die Patrouillenboote des Bundesgrenzschutz.

Andererseits natürlich total vermessen. Seit ich am Montag Gras gesucht und Speed gefunden hatte, konnte ich meinen Körper gerade einmal für vier verschwitzte Stunden ins Bett zwingen. Wieso sollte ich ausgerechnet jetzt gut schreiben können? Ein brutaler Zwischenfall jedenfalls. Drei Leute habe ich gestern vor der Tür stehen lassen müssen, weil es absolut unmöglich war ihnen die Wohnung vorzuführen, in der vierzigsten Wachstunde, einen Schweißtropfen am Kinn.

Eigentlich wollte ich ja nur ein kleines Näschen ausprobieren, zum Auschecken, nur so sicherheitshalber zu Informationszwecken. Saugutes Speed. Dieser charakteristische chlorige Apfelgeruch. Aber eine Line gab die andere und gegen zwei Uhr befand ich, dass es höchste Zeit sei mal wieder zu schauen, was es neues im Puff gibt. Diesmal wollte ich es zelebrieren. Also Haarshampoo, Haarkur, Peeling. Komplett einseifen mit creme douche. Dann noch mal den ganzen Körper komplett nachrasieren. Auch den feinen Haarkranz um die Brustwarzen, die danach bluteten. Zuletzt Haarwachs und Parfum (Gaultier). Schickes Shirt. Noch ne Nase. Los.

Zur Bank rannte ich noch gemütlich, bis zur Hauptstraße zwang ich mich zu joggen und die letzten Meter verfiel ich angestrengt in Passantentempo. Ich klingelte und fiel durch die Tür und fast auf die erste Nutte drauf, hatte die Lage aber vollkommen unter Kontrolle: „Eine Sprite bitte!“.
Auf dem Sofa zündete ich mir die extra zu diesem Zweck vorgedrehte Zigarette an und checkte die Lage. Vier Mädchen an der Bar. Eigentlich alle ganz hübsch. Die „Herz-Dame-Bar“ ist schon ganz okay und die halbe Stunde kostet da nur zehn Euro mehr als in dem abgefuckten Chinesenbordell um die Ecke. Keine Ahnung warum ich später noch unbedingt dorthin musste.

Ich winkte eine kleine Schwarzhaarige heran. Schon sehr schön, aus Russland. Sofort packte ich mein gesamtes Russisch aus “Bledj, hui, jablonka”. Nutte, Schwanz, Apfel. Damit sollten wir recht weit kommen, dachte ich.

Das Mädchen war sehr hübsch und hatte die schönste Muschi, die ich je gesehen habe. Mit zwei sich nur ganz leicht erhebenden Schamlippenhügelchen. Sehr lecker, ich bin ja auch sehr oral fixiert, homo wie hetero. Der ganze Act war auch ganz gut und ich ging ziemlich ab, die Nutte war am Ende schon ganz heiser vom Mitstöhnen. Nur dass sie die letzten fünf Minuten mit SMS-checken verbrachte fand ich eine Frechheit irgendwie. Jedenfalls ging ich da raus und hatte ein großes Problem, ich war nämlich kein bisschen befriedigt. Also ging ich straight ins Paola´s und buchte sone Jamaikanerin, Angelina. Die hatte schon eine sehr viel verwinkeltere Muschi. Aber auch sehr geil. Ich nahm sie von hinten und während ich zusah, wie sich mein Schwanz in ihren drallen, schwarzen Arsch bohrte, bekam ich einen mittleren Laberflash: “When have you been to Jamaika the last time?” PUMP - PUMP “Is it true that all black guys have big dicks?” PUMP “Did you know that some guy from Jamaika did a new world record in 100 meters?” Angelina verstand falsch und fragte: “Do you wanna change the position?”. Ja, klar, egal. Am Morgen war jedenfalls das ganze Pep weg.

Seitdem, ich muss mich kurzfassen, in zwölf Stunden geht mein Flieger und ich muss noch end packen und putzen etc, jedenfalls noch ein paar Abschiedsabstürze. Am Donnerstag lag ich mit einem von und zu stockbesoffen auf einem Autodach in Kreuzberg und redete über Titandioxid. Gestern noch mal ganz krasse Sauftour mit Frank aus Franken: Astro Bar, Himmelreich, bei meiner Cousine, Cassiopeia und ganz zum Schluss der Duncker. Dabei immer diesen bescheuerten riesengroßen roten Rollkoffer in der einen Hand und das Poppersfläschchen in der anderen. Im Duncker dann schon wirklich Hacke, wie eigentlich schon lange nicht mehr, und zu Janis Joplin und Jefferson Airplane getanzt, Poppers getrunken und am Jägermeister gerochen. Schließlich rausgeflogen, da anderer Leute Getränke leergetrunken. Die eine von der Garderobe wollte sogar einen Krankenwagen holen. Dabei fühlte ich mich pudelwohl. Zu guter Letzt in dem Laden auch noch den Koffer stehen lassen. Hab ihn grad geholt.

Was für ein Stress.

Ab morgen aus Mexiko.

Der einzige Film (pt. 2)

September 17, 2007

Am Abend, als es schon sehr dunkel ist, sitze ich wieder in meiner Wohnung. Die Typen kamen mir dann auf einmal doch ein wenig suspekt vor, wie sie so schräg hinter dem Display standen beim Geldabheben. Dann Valium, Hasch, Schlaf.

Zwischenstand: GHB-Exkurs, Kiff-Exzess, Party-Einlauf, Alkohol-Absturz und dann nach einer mittleren Valium-Session aufwachen. Das fühlt sich extrem scheiße an. Wir schreiben Montag Mittag und Mademoiselle ist in ein paar Stunden hier.

Unser Verhältnis ist schnell skizziert. Oder, man muss einfach ehrlich sein und damit anfangen, dass Mademoiselle bestimmt doppelt so viel auf den Rippen hat, wie ihr gut täte. Sie jedenfalls wortbegabt, überemotional, anstrengend. Wir hatten vor nem guten Jahr mal ne sexuelle Liaison als sie arbeitslos in Berlin vor sich hinslackte und ich mich in meinem Studiumsabfuck nur nach Nähe sehnte, und nach Sex natürlich, immer. Das lief ganz gut bis sie sich verliebte und mir alles zuviel wurde. Sie ging dann nach Fuerteventura, glaub ich. Seit damals schreiben wir uns unregelmäßig Mails, in denen wir uns vorwerfen, wie scheiße wir das Verhalten des jeweils anderen beim jeweils letzten Gespräch fanden. Dann wieder Entschuldigungen. Dann wieder Vorwürfe. Dann schick ich ihr kommentarlos ein Photo mit der Bildunterschrift: „Trampeltier seitlich trabend“. Undsoweiter..

Wenn sie heute abend kommt, werden wir ficken. Mir geht´s saudreckig. Ich quäle mich aus dem Bett und geh duschen. Pflichtbewusst entledige ich mich sämtlicher Schamhaare; ich weiß dass Mademoiselle darauf steht und mir gefällt´s ja auch, rein optisch, aber dieses ständige Jucken; grad jetzt – Vorgriff eine Woche – hab ich so ein Ding an der Leiste und kann nur hoffen, dass es ein eingewachsenes Haar ist oder ein Speedpickel und nicht Tripper oder so was.

Nächster Punkt: Kondome aufstellen. Wir haben bereits kurz vor acht, es hat also nur noch der Lidl auf. Aus irgendeinem Grund gibt es bei Lidl keine Kondome mehr. Aus wahrscheinlich demselben Grund gibt es auch beim nächsten Lidl keine. Ich stehe also ziemlich ratlos auf der Straße. Dann der Geistesblitz in Form eines roten Lämpchens über der „24h Filmbar“. Ich wohne ja praktisch im Rotlichtviertel. Ich klingle und begrüße die Runde: Ein Abkassierer, fünf Nutten. Von einer kaufe ich vier Kondome für 5€. Man wünscht mir viel Spaß.

Bis Mademoiselle da ist, habe ich schon wieder gut Pegel, ich meine, wie soll ich ihr denn gegenübertreten: Als totales Wrack??!
Mademoiselle klingelt und – sie hat etwas abgenommen – tapert rein. Sie schaffte es nicht mal bis zum Sofa, ohne zu mäkeln. -„Wollen wir schon wieder so anfangen?“. Ich setze mich neben sie und zünde mir eine Zigarette an. Mademoiselle steht auf, schiebt den Gummiball demonstrativ in die gegenüberliegende Zimmerecke und drückt ihn platt. Sie fragt, wie´s mir so geht, in Erwartung der Gegenfrage. Hab jetzt keinen Bock darüber zu reden. Ich frag, ob wir ficken wollen. Mademoiselle im entschlossensten, beinahe entsetzten Tonfall: „Nein! Natürlich nicht!“.

Als ich gekommen bin stehe ich auf, zieh mich an und geh in die Küche, einen Drink nachschenken. Ich fühle mich so leer wie nach jedem Fick, für den ich nicht bezahlt habe. Ich weiß schon, das kommt jetzt voll übel, aber: „Ich fahr noch mal Gras holen.“. Totale Arschlochaktion.

In der U-Bahn werde ich langsam breit. Hermannplatz. Schönleinstraße. Kottbusser Tor. Bitte aussteigen. In dem unterirdischen Platz vor dem längst geschlossenen Kiosk: Kein Schwein. Paar Passanten. Man kann das sofort erkennen, wer wegen Drogen da ist. Am Blick, am Schritttempo und natürlich an der Fertigkeit. Ich steige die Treppen hoch ins Freie. Ein Mulatte steht dort, und vor dem Nordausgang vom Kottbusser Tor stehen heißt: Drogen. „Hasch.“, sagt der Typ. –„Haben oder wollen?“, frag ich. „Brauchst du.“. Der Mulatte hat das Zeug nicht da, das finde ich sogar in meinem Halbsuff schon mal befremdlich. Er muss kurz holen gehen. Natürlich verlange ich einen Pfand – Regel ist Regel – und bekomme sein Nokia und er 20€. Ich denk okay und zünd mir ne Zigarette an. Der Typ geht die Skalitzer hoch, 100 Meter vielleicht, ich bin auch dicht und seh das nicht so genau, dann kommt er zurück. Wieder bei mir: „Okay, gib mir mein Handy.“ –„Gib mir erst mal das Hasch.“ „Ey gib mir mein Handy, Alter“, ruft er, im breitesten berliner oder-ich-mach-dich-platt-Slang. Ganz klar was hier läuft. Ich renne los. 100 Meter bis zum U-Bahn-Eingang. Ohne mich umzuschauen die Treppe runter. Rechts, dann noch mal die Treppe runter. Out of service. Verdammt. Ich nehm den Weg über die Schienen. Die nächsten vier Stunden wird hier kein Zug durchkommen. Keine fünfzig Meter tief im Tunnel: Gleisbauarbeiten. „Hey!“, „Was macht´n der da?“, „HAAALLOOOO! Sie da!“. Shit. So ein oranges Männchen führt mich wieder nach draußen, egal wie sehr ich beteure, dass mich dort der sichere Tod erwartet. Draußen: Weit und breit kein Mulatte. Ich lauf noch zum Hermannplatz, aber da kann man´s um die Uhrzeit eh vergessen. Also Taxi und heim. Mademoiselle schnarcht. Ich rauch noch vier Jointstummel, der Größe nach, und penne ein. Als ich aufwache, hat Mademoiselle bereits ihr Vorstellungsgespräch. Ich sitze rauchend vorm Fenster und setze alles zusammen. Geht irgendwie nicht. Ein einziger Film.

Der einzige Film (pt. 1)

September 14, 2007

Irgendwann am Montag komme ich zu mir und kann das alles nicht fassen. Jede Aktion für sich genommen: OK. Aber die letzten fünf Tage zusammen: Das war ein einziger Film.

Ich beginne am Donnerstag. Am Nachmittag kommt meine Cousine, ein paar Sachen abholen. Ich stehe ja kurz vor dem Umzug nach Mexiko, ein Fakt, den ich mit aller Kraft zu verdrängen versuche. Aber auch eine gute Entschuldigung für so einige Eskapaden. Schließlich gibt es in Mexiko kein Ecstasy. Und bei Techno-Parties bin ich mir auch nicht so sicher. Also noch mal knallen wie Sau.

Ich pack den Scheiss in´s Auto meiner Cousine, schwitz jetzt schon wie ein Affe, und geb mir vor der Abfahrt noch 2 Pipetten GHB. Im Auto nach Friedrichshain fang ich an anstrengend zu werden. Drehe auf, hole aus, schweife ab. Vorm Eschloraque, dort, wo Ben Becker seinen letzten Drink vor dem finalen Breakdown nahm, ist meine Cousine schon ungehalten: „Kommst du jetzt mal wieder runter?“

Auf dem Heimweg, schon auf der Straße zur S-Bahn, bin ich so leer, dass es nur eine Konsequenz geben kann: Hasenheide, Gras kaufen. Ich gestalte meinen Drogenkonsum in letzter Zeit sehr verantwortungsvoll, indem ich versuche, eine gewisse Unregelmäßigkeit in der Substanzabfolge zu schaffen.
Donnerstag Abend rauch ich die erste Tüte, garniert mit der ein oder anderen Pipette GHB. Eigentlich sind das für die nächsten Stunden die Fakten, denn den ganzen Freitag bis einschließlich Samstag früh erinnere ich mich an nichts außer an Fernsehen und Joints. Im Grunde nicht mal an das. THC vernichtet Zeit perfekt.
Samstag Mittag komme ich zu mir, Samstag Abend werde ich wach. Klar, 36 Stunden gechillt, das kommt jetzt alles zurück. Partytime. Versuche Gott und die Welt zum Feiern zu überreden. Der Nette Fucker ist in Shanghai. Bomec in Belgrad. Frank aus Franken auf ner Privatparty. Cousine sagt zu und wieder ab. Ich setze ausnahmsweise auf Vernunft und versuche mich runterzubringen. Doch alle bewährten Methoden wie liegen, essen, wichsen, ja sogar Marathon-der-Damen-vom-Anfang-bis-zum-Ende-schauen helfen nichts: Halb fünf bin ich noch immer auf Party geeicht. Noch sehr viel mehr Wodka und halb sechs endlich ins Berghain.

Ich kenne exakt zwei Leute in diesem riesen Laden, 50% davon nur flüchtig. Schon wieder diese breitmachenden Teile. Paar schlaffe Moves. Ich hau mich irgendwann in den Darkroom auf die Hängematte und penne da rum, bis mich zwei Hardcore-Glatzen verscheuchen. Ich siedle also um in so einen Kasten auf Hüfthöhe, immer noch im Darkroom. Bin ganz gedämpft und verbringe die Zeit hauptsächlich mit zählen. Bei einem 140er Beat dauern 10 Minuten 1400 Schläge. Zwischendurch schiebe ich gierige Hände aus meinem Schritt. Keine Kraft zu nichts, lasse meinen Arm baumeln, direkt neben mir pumpt sich ein weißer Arsch in eine gebückte Lederhose, ich fasse ins Leere, ich habe eine kleine Flasche in der Hand. Nach einer kurzen chemischen Analyse befinde ich auf aliphatische Nitrite. Poppers. Ja dann mach ich mich doch mal ab. Riech noch zwei drei Mal und bin um zehn am Ausgang.

Draußen, wieder Wetter, steht ein Bodo und begrüßt mich mit Namen und Berufsstand. Ja, irgendwie war da irgendwann mal irgendwas. Wir checken zum Ostbahnhof. Für mich die S-Bahn, er biked weiter. Ich steige in den Zug und das erste was ich sehe, ist so ein Jacken-Typ um die vierzig der ganz hässlich ist und mich anstarrt. Ich bin verschwitzt, verpeilt, verstört und starre böse zurück. Dann such ich mir einen Sitzplatz. Nach einer Geruchssalve aus dem Poppers-Fläschchen blicke ich auf und der Typ schaut noch immer total arglos her. Ich weiss mir nicht zu helfen als wie ein Behinderter zurück zu winken nach dem Motto: Glotz nicht! Dann geschieht das Unglaubliche: Der Typ steht auf, kommt her und setzt sich direkt mir gegenüber ins Viererabteil: -„Hallo, ich bin der Wolfgang!“. Ich glaub´s nicht: „Hi.“ –„Wo kommst´n du gerade her?“ „Aus´m Berghain.“. Anscheinend dreht´s mir gerade die Pupillen gen S-Bahn-Decke, denn der Typ lacht total schräg und fast beeindruckt: -„Woa, hehe. Wo fährst du jetzt hin?“ “Nach Hause. Und ganz ehrlich: Alleine.” Der Typ lacht schon wieder ganz komisch, weil es mir verpeiltest die Fresse verzieht. In der Warschauer ist er weg. Bestimmt so einer.

Wieder zu Hause. Ich sagte es bereits: Gegen´s Runterkommen hilft nichts mehr als ein Vollrausch. Anscheinend trinke ich kaum zuhause, Sonntag Mittag so, ne ganze Flasche Wodka weg. Verzweifeltes Gespräch mit Mademoiselle, die am Montag für ein Vorstellungsgespräch nach Berlin kommt und hier übernachten will. Also morgen schon, das krieg ich erst mal gar nicht so richtig rein, dass das schon morgen sein soll. Trotzdem: Gegen Ende der Flasche bin ich bereit für eine Reise zum Kottbusser Tor. Geht ganz schnell, 10 x 10mg Valium und ein Kanten Hasch. Und wie das halt immer so ist bei einer guten Mischung Ecstasy und Alkohol, komme ich mit zwei Leuten ins Gespräch, jünger als ich, die gerade von der selben alten Frau Hasch gekauft haben. Er so ein verschüchterter Hippie, wir kennen uns von einer der letzten dreiundsiebzig Parties. Sie im Hellersdorfer-Vorstadt-Style, Studiobräune, feuerroter Zopf, Camouflagejacke, aber nett.
In der selben U-Bahn. Schönleinstraße steige ich mit den beiden aus wie von selbst. Irgendwo noch einen kiffen. Erst sitzen wir drehend am Landwehrkanal, dann fliegt das Paper ins Wasser und der Hippie muss hoch in die Wohnung, die Bong holen. Die Wohnung gehört dem Macker von der Tussi, und da der grad nicht da.. –schon gut, okay, ist ja auch schön hier. Der Hippie kommt mit einem Glasschwanz zurück, in dem fünf Zentimeter Wasser stehen. Die Bong. Ich glaube wir kommen nicht mal dazu den ersten Kopf zu rauchen, da jeanst der Macker den Kanal entlang: „Wat macht´n ihr hier?“ Kurze Erklärung – …kennen sich von irgendwoher.. –ja, dann mal hoch, wa? Wir müssen über den Hinterhof, weil der Macker Stress mit benachbarten befeindeten Türken hat: „Sonst laufen wir denen ja gleich in die Arme.“. Erst gestern sei ein Stuhl geflogen.
Dann Flashback. Ich sitze jetzt also auf einem saugemütlichen Sessel und habe eine mächtige Bong in der Hand. Davor so ein typischer Kiffertisch. Und natürlich Techno. Bald noch ein Türke, der drei prall gefüllte Beutel Gras mitbringt. Wir verstehen uns, ich meine hier läuft Techno, und zwar guter.
Aber die Gespräche lassen zu wünschen übrig. Doch eher eine allerdings sehr unaggressive Prollstimmung. Der Türke schwadroniert. Der Macker gibt recht. Die Tussi lehnt sich an den Macker. Der Hippie ist vollständig mit Valium zusediert. Ich schaue mich um und fühle mich wohl. „Das Unerträgliche erträglich machen,“, denke ich, „darum geht es doch im Leben.“ Wobei „machen“ in diesem Zusammenhang ja nur heißt, heißen will..

Morphing

September 9, 2007

Was achtundsechzig links war, ist heute schwul: Schick. Man ist es nicht, aber man interessiert sich dafür. Ein wenig Marx. Ein bisschen Wasserwerfer. Ein Trip Acid. Engels hieß auf einmal Hendrix und kam als Warhol zurück in´s Studio 54. Ecstasy. Techno. Poppers. Und schon haben wir´s: Analsex. Männer zu küssen ist die neue Revolution. Aus “Konservativer oder Kommunist” wurde “spießig oder schwul”. Bausparvertrag oder Bumsen im Berghain. Eine Guerilla der Eitelkeit.

Jede Konvention ist Pose.

Berlin AB

September 1, 2007

Ein Vollrausch macht das Runterkommen halbwegs erträglich. Wie bei Purple Haze: „Don´t know if I´m coming up or down.”. Dabei Fernsehen, Society-Shit. Natürlich will ich nach Monaco. Bei mir ist das Wochenende das Gegenteil von Woche, so wie Himmel das Gegenteil von Hölle ist. Auf der Erde bin ich nur noch selten zu Besuch.
Tiefkühlkost und der “drop-another-day-Reflex”. Aber den kenn ich schon zu gut. Zsammg´rissen werd si. Well, another night…

Scheiss drauf. 1-2-3-4-5-6-sieben Schluck: Auf, Heroin kaufen. Auf der Treppe nach unten: „Was machst du da?“. Auf den Stufen zur S-Bahn: Null komma 1-2-3-4-5-6-sieben Promille. Eine Frau um die dreißig, auf der Suche, ganz offensichtlich, ich seh´s auf den ersten Blick. Vielleicht wäre Liebe die einzige friedliche Lösung für uns beide heute Nacht. Ich betrachte sie wie ein fremdes Land. In der Bahn. Heroin kaufen weil man´s kann, nicht weil man´s muss. Ein Luxus, den man sich im Leben nur wenige Male gönnt. Dann schließlich am Kotti. Liebe, Frauen, Monaco: Kilometerweit entfernt. Aber das Leben misst Lichtjahre. Heute nur Kurzstrecke: Berlin AB.

Die Connection ist schnell gemacht. Mit zwei Halbjunkies zum Treffpunkt in der Mohrenstraße. Fast schon Alexanderplatz. Der eine, etwa mein Alter, wortkarg, sächsischer Akzent, ihm geht´s hier um´s Wesentliche. Zu jung zum Abkacken. Zieht das Zeug lieber, als es zu rauchen. Meint: „Wenn man Heroin spritzt, muss man schon wirklich verzweifelt sein.“ –„Sind wir nicht alle ein bisschen verzweifelt?“. Die tun mir alle leid die Kunden hier unten am Kotti um elf. Der andere, schon gute vierzig, verheiratet, erzählt, dass das Dope von dem Typen saugut sei. Euphorie pur und so. Um Mitternacht kommt so ein Jamal in die Mohrenstraße, junger Araber, und verkauft mir für´n Fuffi ne Kugel Heroin und zwei Kugeln Koks. Spuckt sie direkt aus seinem Mund in die Hand.

Zuhause dann: ganz düstere Szenen. Wie das schwarzbraune Heroinöl die Alufolie herunterläuft und ich mit einem Röhrchen gierig den Dampf aufsauge. „Mehr, mehr, diesmal muss es doch flashen!“. Später schreibe ich auf den Block: „Kannst du dir das vielleicht mal merken, dass dir das Zeug nicht gefällt?“ Noch später verkrampftes Kotzen. Schon beim Anblick der Kloschüssel explodier ich. Und bin wach bis in den Morgen. Fang dann irgendwann an, das Koks nach einem irgendwo aufgeschnappten Rezept mit Bullrich-Salz zu freebasen. Mit Löffel und Feuerzeug und so. Ich brauch nur ne Steigerung.