Archiv für August 2007

Blues

August 29, 2007

Knall. Saudrauf wieder raus aus der Wohnung des Netten Fuckers. Schaut schon wieder verdammt nach ner Pipette zuviel aus. Auf der Straße verreisst es mir die Fresse wie Sau. Würde ich jetzt was sagen, klänge es wie “NjaaaAAAHHrgmjmjmwrha!”. Gleich Session im Acud. Frank aus Franken und seine Rhythm Group machen da Dienstags immer Session Band. Blues, Alter. Ich krieg nur noch Bock wie Sau auf ne große Sext während das Straßenlicht quer durch´s Gesichtsfeld streift. Schnell weiter, drehen, nicht stehen bleiben, irgendwen anrufen, jetzt bloß keine Pause, Hendrix, Stevie Ray, keine Pause: einfach nur Blues. Gebt mir ne Strat, fette 11er und nen dicken Amp: Würde ich jetzt was sagen, klänge es wie ein Solo von Stevie Ray Vaughan.

Im Acud. Frank rockt auf der Bühne, die geile Sau. Ich dreh mir eine und kann nur lachen zu dieser geilen Mucke, die mich mehr flasht als Techno, Sex und jede Droge dieser Welt zusammen. Dann dieses rothaarige Mädchen, das alles so genau wissen will über Mexiko und das Studium und Frank und mich, bezaubernd schön, Sängerin, Wodka-Trinkerin auch, und ich habe nichts Besseres zu tun, als während “Little Wing” eine weitere Pipette GHB in meine Cola zu träufeln.
Aber sowas gehört zum Selbstbild. Eigentlich wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dieses verkannte Genie zu sein, dass sich sowas erlauben kann. Auf jeden Fall erlaube ich es mir jetzt. “Badge” von Clapton. Frank kommt runter und spendiert Bier, stellt mir das Mädchen vor als die Sängerin seines Jazz-Projekts. Ich bin schon wieder draußen, haha, die Nutten auf der Oranienburger, die sich zurufen: “Der war schwul, oder?” … Irgendwann das Taxi.

Standardtext

August 29, 2007

Ziele. Eigentlich braucht man ja nicht mehr als das zum Wohlsein. Ich bin da wählerisch. Eigentlich sehe ich weit und breit nichts Adäquates. Das und nur das ist der Grund für die Leere.
Letzte Woche war es fast unerträglich. Lustlos setzte ich einen Fuß vor den anderen. Sachen fielen an und ich schaute, dass ich sie wieder aus dem Gesichtsfeld bekam. Das Leben ließ ich nurmehr über mich ergehen, das Wetter interessierte mich nicht. Dazu diese latente Krankheit. AIDS. Angefeierter Ignorierter Disco Schnupfen. Hatte ich im Mai schon mal vier Wochen lang nach einem dutzend Nasen zuviel. Ich schweife ab…

Ziele jedenfalls. Feiern ist ein gutes Ersatzziel. Denn kaum ist der Plan gefasst, lodern die Lebensgeister wieder auf. Ich kriege Bock auf ein Peeling, suche ein freshes Shirt raus und seh zum ersten Mal in dieser Woche gut aus.
Am Eingang des Berghain. Für meine Cousine ist es das erste Mal. Vor uns werden zwei Mädchen wieder nach Hause geschickt. “Mit wem bist du da?”, fragt Sven, der tättowierte, komplett gepiercte “Eisenmann” auch meine Cousine. Normalerweise der letzte Satz vor “Heute leider nicht.” Aber sie zeigt auf mich. Das ticket to ride. (Sorry, auf sowas bilde ich mir echt mehr ein als auf meinen fucking Bachelor.) Die Treppen hoch in die Panorama Bar. Nervös warte ich, bis meine Cousine die Jacken abgegeben hat: Die Musik zerrt. Rein auf den Dancefloor. Sofort erkenne ich den Schatzmeister. Der hat in letzter Zeit immer diese Scheisspillen, MDA, MDBD oder sowas, jedenfalls kein hyperkybernetisches MDMA. Aber ich seh sonst niemanden, also kauf ich zwei, irgendwas muss ja jetzt knallen. Schließlich bin ich in der Panorama Bar.

“Die machen aber breit.” erkläre ich meiner Cousine als ich ihr die andere gebe. Und yes, in fact: Nach einer halben Stunde kann ich mich kaum noch bewegen. Aber die Musik gewinnt an Bedeutung; jeder Atemzug wird zu einem orgasmischen Akt. Wodka Bull. Bisschen moven. Gegen Verpeiltheit hilft nichts außer tanzen. Bin jetzt schon zu breit zum Flirten. Musik auch sehr minimal. Ein wunderschönes, orientalisches Mädchen steht auf einmal vor mir, tanzt und lacht begeistert. Blickkontakt und schräger Move. Mal drei Meter nach rechts sliden und so. Zu viel Verantwortung, ich geh pissen. Zurück in der Panorama Bar. Irgendsone Australierin fragt, wie der Move gehe. “Slide left, step right. And the other way round.” Check gar nichts mehr. Nur noch Bull. Meine Cousine meint, dass wir beide auch nochmal Sex miteinander haben würden. Ausnahmsweise kategorisches Nein. Erklär ihr das alles mit dem Ecstasy und so. Bier klauen. Schließlich, endlich, mit nem halben Gramm Speed in der Chillecke neben meiner Cousine: “Willst du auch was?” -”Nee.” Ich leg ne Bahn, verschütt die Hälfte auf meine Jeans, rotz alles weg, “Und ich??!!”. Mit meiner Cousine zu feiern, kann anstrengend sein.
So auch, als ich gegen sieben abhauen will. Geht ja nix mehr, der Move kommt uninspiriert und kennen tu ich auch keinen außer dem Schatzmeister, dem ich irgendwann auf der Toilette eröffne: “Erst auf Teilen lernt man Zigaretten so richtig zu schätzen.”. Aber meine Cousine will nicht heim. Immerhin bekomme ich ihren Schlüssel. “Wo liegt das Gras?”, frage ich. “Gehst du jetzt?” - “Wo liegt das Gras?”. Irgendwo in der Küche.

Um kümmerliche 7:30 verlasse ich den Laden, stapfe durch das öde Industriegelände und hebe 30€ ab. 12,75€ für zwei Jägermeister, Bier, Kippen und schwarze OCB. Noch kurz ins Cassiopeia, viel zu teures Gras von nem Neger und ein Sternburg for free. Direkt vor dem Ausgang, Revaler 18 oder so, ne nette Punk-Lady, Dorita. Überred sie auf nen Joint. Wir quatschen auf einer grünen Bank vor einem Waschsalon und machen das Beste aus dem, was zwei Unbekannte aus einem verkaterten, halbdraufen Samstagmorgen in Berlin machen können. Nach dem zweiten Joint gibt sie mir noch ne Nase Speed aus, ich zieh das Zeug aus dem Flyer in ihrer Hand, während die ersten Autos den grauen Morgen durchschneiden. Es könnte Winter sein. Dann muss ich los, wir haben uns ewig verlabert. Gleich bei der Simon-Dach-Straße. Ich schließe auf, nehme die ersten Treppen, da sehe ich sie schon im Halbdunkel sitzen: meine Cousine. “Genau das habe ich befürchtet!”. lüge ich im Voraus. Kein Act, sie wartet noch nicht so lange. Wir chillen uns auf den Balkon, rauchen nen Joint, dann pennt sie ein. Derweil tanze ich im Flur speedbefeuert zu den Scissor Sisters: “Don´t feel like dancing, dancing!”.
Um neun abends dann Paranoia-Spießrutenlauf durch´s Kneipenviertel.

Drinks

August 23, 2007

Prosecco knallt irgendwie ganz anders. Eigentlich trinke ich seit einem halben Jahr nur noch Wodka und am Wochenende mal ein Bier. Prosecco gibt einem dieses sommerliche Prickeln, nicht nur im Mund. Euphorie, Zuversicht, beinahe Klarheit.

Dass ich heute Prosecco trinke ist kein Zufall. Eigentlich wollte ich schon wieder Heroin holen. Ich ertrage es einfach nicht, abends allein in meinem Apartment zu sitzen in dieser Stadt voller Möglichkeiten. Aber ein viertes Mal H zu nehmen in diesem Monat hätte selbst mir Angst gemacht. Ich beschloss also, mir für das Geld lieber gutes Essen und einen edlen Tropfen zu gönnen.
Naja, jetzt doch wieder Wodka..

Paranoia

August 22, 2007

Ich bin außer Atem. Jemand hat an der Tür geklingelt. Immer wenn es klingelt gehe ich sofort in Deckung. Meist springe ich hinter die offene Schranktür. Von dort kann ich durch einen Spalt zwischen Scharnier und Tür aus dem Fenster spähen, ohne selber erkannt zu werden.

Es gibt nicht viele Menschen, die wissen wo ich wohne. Und diese wenigen wohnen alle zu weit entfernt, als dass sie ohne Ankündigung vorbeikommen würden. Genau genommen hatte ich in dem Jahr seitdem ich hier eingezogen bin genau sieben Mal Besuch: 1 x den Netten Fucker (Rotwein und erhitzte Gespräche), 2 x Lucy (Sex und zähe Gespräche), 1 x Frank aus Franken (kiffen und Gitarre spielen), 1 x meine Eltern und letzte Woche DonCasimir. Ein weiteres Mal las ich einen Penner von der Straße auf und lud ihn auf ein paar Glas Portwein ein.
Wenn es also ohne Vorankündigung klingelt, können das nur die Bullen oder die Hausverwaltung sein. Und denen öffne ich lieber nicht, schon gar nicht, wenn ich bereit mittags um eins eine Fahne habe.
Diesmal passiert nichts. Ich sehe durch den Spalt ein paar Bauarbeiter ein und aus gehen. Wahrscheinlich auf die falsche Taste gekommen. Nach ein paar Minuten lege ich mich auf´s Sofa, nehme wieder das stressige Buch von Gaddis an mich und nippe weiter an meinem Bloody Mary.

Die krasse Woche (letzter Teil)

August 22, 2007

Donnerstag

Heroin hat bei mir eine recht paradoxe Wirkweise. Es macht mich weder glücklich noch schläfrig. Breit ja. Aber nicht müde. Ich liege bis zum Morgen wach, schlafe dann zwei, drei Stunden und wache voller Tatendrang auf. Oder voll schlechten Gewissens. Während DonCasimir auf dem Sofa schnarcht, starte ich eine großangelegte Putzaktion. Säubere das Bad, bring die Klobrille in Ordnung und erledige den Abwasch. DonCasimir wird erst am Abend wach. Wir schauen rtl2-Frauentausch mit Nina Queer. Gegen Mitternacht ins Bett.

Freitag

Meeting in der Firma. Das, wegen dem mein Chef die ganze letzte Woche gestresst hatte. Also aufstehen um acht, rein in Anzug und Krawatte und ab mit dem Bus nach Mitte. Komischerweise bin ich locker nach all den Exzessen. Meine Lieblingskollegin erwartet mich am Eingang, führt mich durch die Schleuse und am Drehkreuz vorbei und liefert mich in einem verglasten Besprechungsraum ab. Mein ex-Chef, das dumme Schwein, wartet bereits. Eine Viertelstunde später kommt der Leiter Internationale Märkte und wir sprechen das Mexiko-Projekt durch. Kein Problem. Die meisten Manager haben nicht mehr drauf als Ego-Spielchen und Anglizismen. Ich spiele mit.

Dann wieder heim zu DonCasimir. Sein letzter Tag in Berlin; wir sollten ein bisschen sightseeing machen. Zuerst ziehen wir uns den Potsdamer Platz rein, dann das Brandenburger Tor, dann die Friedrichstraße, schließlich Tacheles. Ein besetztes Haus voll Ateliers und Kneipen. Im Garten kaufen wir Gras und Becks und chillen uns auf eine Holzterasse. Das Gras flasht mich mal richtig gut, wir reden über Indien, das wir mit drei Jahren Abstand bereist haben und an das uns das bunte Hippie-Ambiente hier in der zugewucherten Anarcho-Oase mitten in Berlin erinnert. Die Sonne scheint, auf den anliegenden Bänken sitzen Rastas, Israelis, Bayern, alle rauchen Joints und es ist das erste Mal seit langem, dass ich mich gut fühle, so bekifft und draußen. Jede Prognose sagt den Niedergang, ja Zusammenbruch unseres Ökosystems voraus. Während wir alle hier tun was wir tun. Weil wir tun, was wir tun. Das wird mir auf einmal mit einer Deutlichkeit bewust, die nur verstehen kann, wer schon einmal bewusstseinserweiternde Drogen genommen hat.

Natürlich treiben wir´s auf die Spitze. So richtig. Sitzen kurz darauf mit Whisky pur in der Bar oben im Fernsehturm, auf zweihundert Metern Höhe und sehen nichts, weil Wolken aufgezogen sind. Nachts klappern wir die U-Bahnhöfe entlang der U8 vergeblich nach Koks ab.

Samstag

Früh am Morgen geht DonCasimir zum Zug. Ich verabschiede mich mit einem Auge aus dem Kissen heraus. Es war eine krasse Woche.

Die krasse Woche (pt. 5)

August 21, 2007

Dienstag

Irgendwas war in dem Koks. Wahrscheinlich mit Speed gestreckt, denn bis zum Vormittag bin ich hellwach. Und gehe zunehmend kaputt. Wir richten uns wieder vor dem Fernseher ein. Das Ereignis des Tages ist, dass wir uns mit überdimensionierten Paranoia-Schutzbrillen zum Dönermann wagen. Dann wieder Tier-Dokus. Gegen Abend endlich Schlaf.

Mittwoch

Ich penne aus. Gegen Mittag ziehe ich zu DonCasimir aufs Sofa um. Von Zeit zu Zeit ringen wir uns einen gehässigen Kommentar ab zu dem Trash, der im TV läuft. Ich kann mittlerweile wieder reden, bin jetzt aber definitiv krank.
Am Abend besaufen wir uns relativ spontan mit Bloody Maries und WodkaCranberry. Dann natürlich Bock auf Party. Ich schlage vor, uns in irgendeine Bar in der Oranienstraße zu hauen. Als wir am Kottbusser Tor aussteigen sind wir schon so besoffen, dass wir uns zwei Pacs Heroin andrehen lassen.
DonCasimir hatte früher eine Zeit lang einen Junkie als Nachbarn, der ihm mal eine Nase ChinaWhite ausgab. Eigentlich gefällt die Wirkung keinem von uns beiden. Aber besoffen kauft man einfach gerne Drogen.
Zunächst chillen wir uns in die Franken Bar, eine gemütliche, abgefuckte Rockerkneipe. Nachdem wir unser Bier bestellt haben, gehe ich als erstes runter auf die Toilette und zieh ein Viertel von dem einen Pac weg. Dann geht DonCasimir und zieht die restlichen Dreiviertel. Also geh ich noch mal runter und mach die Hälfte von dem zweiten Pac weg.
Wir sitzen aufgestützt vor unseren Pitchern.
DonCasimir: „Schee langsam macht sich da a g’wisse Wahrnehmungsveränderung bemerkbar.“
Ich: „Hmm.“
Mein Kopf sinkt in Zeitlupentempo gen Tisch. Kurz bevor meine Nase im Bier verschwindet, richte ich mich ruckartig wieder auf. Nun lässt DonCasimir den Kopf fallen. Wir müssen aussehen wie zwei texanische Ölpumpen. Mein Sack juckt. Wir gehen. Auf dem Weg nach Hause kotze ich einen riesen Strahl auf den Bahnsteig.
Daheim legen wir uns sofort hin, ich ins Bett, DonCasimir aufs Sofa. Ich bin breit und alles juckt. Ab und an sehe ich DonCasimirs Bein im Gegenlicht der Straßenlaterne aus dem Bett ragen, dann kratzt er sich, dann verschwindet es wieder. So liegen wir bis in die frühen Morgenstunden wach, kratzen uns und gehen gelegentlich kotzen.

Die krasse Woche (pt. 4)

August 20, 2007

immer noch Sonntag

Schlechtes Koks also. Ich krieg die Hälfte unter der Auflage, DonCasimir ins nächste Pornokino zu begleiten. Missmutig lege ich eine leere CD-Hülle auf den Tisch. Soll er aufstreuen. Von mir aus dann eben ins Pornokino.

Wir gehen zu „Paola´s”, etwa fünf Minuten. Ich kann noch immer nicht reden.
Im Vorraum, einem kleinen, mit Covern von Pornofilmen zugepflasterten Kabuff sitzt eine alte Asiatin hinter einem niedrigen Tresen und kassiert 5 Euro pro Person. Die Situation kotzt mich an. Ich bin leer wie die Flasche Tequila auf dem Tisch zuhause. Durch eine Tür gelangen wir in den Vorführraum. An der Front eine 2 mal 2 Meter große Leinwand auf der zwei Tussen einem Typen einen blasen. Seitlich davor sitzen zwei abgehalfterte asiatische Nutten, die eine fett die andere dürr, beide alt. Davor erheben sich drei gepolsterte Sitzreihen. Jede bietet Platz für zwei Personen, getrennt durch eine schwarze, hölzerne Sitzwand. Don Casimir und ich sind die einzigen Gäste. Wir setzen uns in die erste Reihe.

Mittlerweile liegen die Darsteller auf einem Sofa. Der Typ fingert die eine Tussi, während die andere noch immer seinen Schwanz bläst. Ich bin unbeeindruckt. Als der Film vorbei ist, stehen die Nutten auf, kommen zu uns und säuseln: „Zimmer frei!“. Ich winke gleich ab. Als ich das letzte Mal pissen wollte, musste ich erst minutenlang meine Eichel suchen, die sich irgendwo unter graubläulichen Vorhaut-Wüsten verkrochen hatte. Don Casimir will, dass ich mit ihm einen Dreier schieb, aber der Gedanke verursacht nur Unwillen.
Da wir zu keinem Ergebnis kommen, bestellt Don Casimir erst mal ein Bier. Der zweite Film fährt an. Mir ist sterbenslangweilig. Von Zeit zu Zeit verhandelt Don Casimir mit der dicken Nutte. Auf eine blasende Pornodarstellerin zeigend fragt er: „Was kostet das?“ –„60€ ohne Gummi. Halbe Stunde.“ „Und ganz normal?“ -„20 € 15 Minuten.“ „Und wenn er dabei ist?“, zeigt er auf mich. Ich winke sofort wieder ab. Die Nutten lachen. Zwei Bier und ein paar fruchtlose Verhandlungen später fährt der dritte Film an. Mittlerweile ist ein Türke eingetreten, der nach ein paar Minuten mit der Dürren hinter einem Vorhang verschwindet.
Die ganze Situation saugt mich aus. Ich habe seit vierzig Stunden nicht geschlafen, über einen Tag lang nichts gegessen und mir ist gerade überhaupt nicht nach Sex. Sorry. Nach dem dritten Film stehe ich auf und gehe. Die Nase Koks habe ich mir jetzt redlich verdient. DonCasimir schimpft hinterher aber bleibt sitzen.
Als er eine Stunde später bei mir klingelt, hat er ein paar Bier mehr intus. Ficken hat er sich trotzdem nicht getraut.

Montag

Fünf Stunden verschwitzter Schlaf. Zwei Antibiotikatabletten. Zwar bin ich wach und nehme augenscheinlich wahr. Aber die Grenze zwischen Lebenden und Toten ist nicht wirklich überschritten. Zu wach zum schlafen und zu kaputt zum wachen verbringen wir den Tag mit Fruchtsaft vor dem Fernseher. Drittes Reich und Tiere. Gegen Abend werden wir wach und – kaum geschehen – geil auf Party. Wir checken los. Es dauert nicht lange und wir sind in Kreuzberg, ein weiteres Gramm Döner-Koks auf Tasche. Montags gibt’s nur eine Technoparty in Berlin: SO36, Electric Ballroom. Wir zahlen jeder nen Fünfer, dann steht die Tür-Lesbe mit ner Taschenlampe vor DonCasimir und fordert: „Kann ich mal in deine Tasche sehen?“. Es gibt nur eine Antwort: „Whoa, nee…. Also wir gehen dann mal wieder.“
Dann Spielplatz und diesmal sehr gutes Koks auf Ex.
Wir versuchen es noch mal im SO36, kommen sogar rein, die Taschen gut gefilzt, aber – lange Rede kurzer Sinn – fliegen nur Minuten später wieder raus und kriegen Hausverbot. Wenn DonCasimir drauf ist, wird er zum Risiko.
Gleich in die nächste Bar: Roses. Eine flokatigepolsterte Auffangstation für polysexuelle Nachtgestrandete. Jetzt bin ich wirklich drauf und breche mit DonCasimir einen handfesten Streit vom Zaun. Unsere beiden kokaingeboosteten Egos passen einfach nicht in einen Raum. DonCasimir fasst den krassen Plan, zwei Lesben aufzureißen. Dem amüsierten Ami zu meiner Linken erkläre ich gleich die Ausweglosigkeit des Plans: „If lesbians are lesbians, they are lesbians.“ Dann betritt Bomec unerwartet die Szenerie und ich verbringe den Rest des Abend ungefragt an seiner Seite, schüchtern, nervös, trinkend. Als DonCasimir und ich um Mitternacht zu hause aufschlagen bin ich hellwach.

Die krasse Woche (pt. 3)

August 19, 2007

Sonntag

Kurz nach Mitternacht passieren wir den Türsteher. Gleich und sofort treffen wir den Schatzmeister, kaufen Pillen. Ich chille noch zwanzig Minuten zusammengekauert in einer Chillecke, dann ist es vorbei mit der Erinnerung. Extatische Zwischenwelten. Irgendwo ist auf einmal der Nette Fucker, wispert: „Hochpotent!“ und steckt mir ein Gramm Speed. Und ein Teil. „Wo ist DonCasimir?“ Auf jeden Fall Mädchen überall. Ich entscheide mich heute für schwuchtliges Verhalten und ernte Frauen im Dutzend. Etwa die süße J-irgendwas; vor zwei Lines weissen Pulvers knien wir schwitzend am Klo und sie meint „Wie alt bist du?“ und ich „25“ und sie: „Ich bin ja noch voll das junge Küken, ich bin erst 20“ und ich „Passt doch!“ und sie, „25 und 20 das passt?“ und dann liegen wir im Chillout, sie ganz nah und weich und weiblich und fremd jedenfalls bin ich schon Sekunden später auf dem anderen Floor, da läuft gerade James Holden und sone Ami-Tussi tanzt mich an und ich bin sogar breit genug, um sie rankommen zu lassen, wir liegen, Techno und Hendrix-: Ich brauche mehr Speed. Dann sitze ich neben einem anderen Ami-Mädchen, sie aus Boston und gepflegteste Aussprache: „So what kinda music do YOU like besides Techno“ imitiert sie mich aber ich krächze nur „Sorry, i´m too fucking stoned to talk to you.“ Und wieder tanzen, rotzen und nebenbei noch zwei Teile. Plötzlich – nach Stunden – steht auf einmal DonCasimir vor mir, Umarmung und kurzes Dancegefecht. Ich soll ihm was aufstellen, kein Problem, meine Lieblingstranse ist am Start und verkauft auf der Toilette Pillen für vier Euro. In irgendeiner Kabine ziehe ich ne Nase Speed, kaum draußen geb ich DonCasimir die Teile, dann chill ich mich auf das Sofa in der Mädchentoilette. Chillen ist übertrieben. Vielmehr herrschen Hektik, Kauen, Laberflash. Längst habe ich die Sonnenbrille aus der Garderobe geholt, zu groß sind meine Pupillen. Nur Chicas auf dem Sofa und die eine lehnt sich wie nebenbei an mich als sie mir die Optik zeigt, das rote Fenster und da draußen das Industriegelände und ich nur: „Saukrass..“ Als sie aufsteht schweift mein Blick ganz natürlich ihr nacktes Bein hinauf, über ihren Minirock, über ihr Top, und trifft oben ein hübsches, ein wenig zu braunes Gesicht, das fragt: „Bist du alleine hier?“. Aber ich bin mit mindestens einer weiteren Gehirnhälfte da, und die verlangt nach Tanz – sofort. Auf dem Podest gelingt der Move am Besten, auf den Punkt spüre ich die Breaks voraus, kann nur lachen, weil alles so gelingt, weil alle herschauen … weil ich der King bin. Großkotzig bekaue ich meinen Kaugummi, und beschenke die Welt mit dem Move Gottes.

Aber langsam, sehr früh, lassen die Kräfte nach, und nirgendwo gibt es Speed. Etwa eine Stunde verbringe ich wohl mit Rumfragen, mit dem Angebot, die zwei Teile in meiner Hemdtasche gegen etwas Pep zu tauschen. Als es endlich wieder was gibt - klebrige weisse Masse in zusammengedrehten Plastikplomben - ist es erst um sieben und ich fühle mich bereits gefickt wie mittags um zwölf . Marc, das heimliche Objekt meiner Bewunderung, jedes mal im Berghain, so stylish und süß und unsagbar schwuchtlig und sophisticated zugleich, Marc jedenfalls lade ich dann auf eine Nase ein. Natürlich finde ich ihn zu toll, um ihn je anzumachen. Wahrscheinlich sogar eine beiderseitige Sache. Wir mögen uns. Wir respektieren uns. Zwei Sachen, die in der Schwulenszene selten koinzidieren. Jedenfalls schließen wir uns in einer Kabine ein um zu ziehen. Die Lampe geht nicht. Zuerst hacken wir das Speed direkt unter dem Türspalt klein, aber als sich das als zu kompliziert erweist, klettert Marc auf die Klobrille und macht die Lines an der Grenze zu Nachbartoilette zurecht. Er schüttet noch etwas MDMA-Pulver dazu, dann knien wir nebeneinander und ziehen alles weg. Draußen merke ich, dass ich nicht mehr tanzen kann. Zuviel oder zuwenig Drogen. Oder einfach nur am Ende. Reden kann ich auch nicht mehr, es gehen nur noch die ganz hohen und die ganz tiefen Frequenzen, das Resultat ist ein verschwindend leises Krächzen. Ich geh eine Etage hoch zur Panoramabar. Bin gefickt und wach und verpeilt zugleich. Ein flüchtiger Blick in die Toiletten, da lehnt Bomec mit nem Spanier an der Wand, Mann bin ich gefönt, - … Bomec?! Meine Fresse. Ich schlendere cool as cool can auf ihn zu und begrüße ihn mit Nachnamen. Bomec hält mitten im Satz inne, schaut nur und rutscht starrend und nichtssagend an der Wand hinunter. Ich helfe ihm vom Boden auf und irgendwie glaube ich freuen wir uns erst mal wie Sau uns zu sehen. Ich erkläre meinen Zustand und dass der Nette Fucker ebenfalls hier sei, Bomec checkt´s wohl noch einigermaßen, wundert sich über mein Outfit und will sofort Teile, Pep, Coca und Ketamin. -”Aber zu allererst verlange ich, dass man mir sofort – sofort - den Netten Fucker vorstellt!”. Nichts leichter als das, ich führe Bomec runter ins Berghain. Erst mal an die Bar. “Und wie geht´s dir sonst so?”, fragt Bomec. “Mir geht´s richtig dreckig.”, antworte ich. Die letzten Wochen waren krass, nothing but. Als er seinen Drink hat, führe ich ihn zu einem Sofa, dort liegt der Nette Fucker mit seiner Freundin, zeige kühl mit dem Zeigefinger auf ihn und krächze: “Das ist er.”. Die beiden kennen sich, dank Blog, aber irgendwie ist die ganze Situation zu drogengeschwängert, um auch nur einen Hauch von Empathie aufkommen zu lassen. Nur Minuten später bin ich mit Dancemaster DonCasimir im Taxi auf dem Weg nach Schöneberg. Ich kann nicht fassen, dass wir schon um neun gegangen sind.

Kaum zu hause spüle ich eine fette Antibiotika-Pille runter. Dann setze ich mich neben DonCasimir auf´s Sofa; wir schauen Tier-Dokus und trinken Tequila aus der Flasche ohne was zu merken. Der Puls rast. Ich entsinne mich der beiden Teile die ich in der Brusttasche meines Hemdes verstaut hatte und die irgendwann zerbröselten. Also drehe ich jetzt die Tasche auf links und lasse einen beträchtlichen Haufen blauen Pulvers auf den Tisch rieseln. DonCasimir legt sich davon sofort zwei Lines und zieht das Zeug weg. Dann verabschiedet er sich auf einen Spaziergang. Bis 21 Uhr nochwas schaue ich nonsens, dann klopft DonCasimir ans Fenster. Während der letzten Stunden hat er jeden Sexshop im Viertel abgeklappert und in einem Dönerladen ein Gramm schlechtes Koks gekauft.

Die krasse Woche (pt. 2)

August 19, 2007

Samstag

Am Morgen wache ich relativ unvermittelt auf. Vage Erinnerungen an den ersten Eklat mit DonCasimir. Die geklaute Melone. Verschreckte Passanten, die - unvermittelt angeschrien - aus dem Gesichtsfeld spritzen. Dann nichts und jetzt hier.
Zuerst veranstalten wir eine Art Stadtrundgang. City West, Ku-Damm, überteuerter Cappuccino. Bald lenke ich die Route auf Kreuzberg, Hasenheide, und schon sitzen wir kiffend auf der Wiese und meditieren den Fernsehturm an. Zuhause dann Jointstummel rauchen und fitsaufen für´s Berghain. Sicherheitshalber ein Paar bittere Antibiotikatabletten, ich bin, wie der Bayer sagt: ned guad beinander. Klamotten: zerrissene Jeans, ein knallrotes, halbaufgeknöpftes Polyesterhemd mit pinkem Rosenmuster, grüne BOSS-Krawatte.

Es geht los.

Die krasse Woche (pt. 1)

August 16, 2007

Es begann eigentlich schon vor drei Wochen, als mein Vater mich am Telefon mit den Worten „Ich weiß dass du harte Drogen nimmst und ein zutiefst unglücklicher Mensch bist.“ begrüßte und damit jene 80% meines Egos umschrieb, von denen er nie etwas hätte erfahren sollen. Er hatte mein Blog gelesen.
Die Woche darauf, meine letzte Arbeitswoche in Berlin, verging ohne besondere Vorkomnisse; der vorletzte Tag, der letzte Tag, dann nochmal fein Essen, dann Berghain. Wie bei allen Clubbesuchen auf die man sich schon Monate im Voraus freut: ereignislos. Sieben Stunden Filmriss.

Am Mittag sitze ich mit Tarkan auf dem Sofa in der Damen-Toilette. Tarkan ist jung, hübsch, gut gebaut. Nicht dumm, nicht klug. Eigentlich ist er mir ziemlich egal, wäre da nicht seine Zunge zwischen meinen Zähnen. Egal. Auf einmal ist Tarkan weg. Ich schaue auf meine Hose und da ist ein großer Haufen Elektrolytpulver, der es wohl irgendwie nicht mehr bis ins Glas geschafft hat. Während ich mir das Zeug vom Schoß fege, meint jemand neben mir: “Hey, da in der Kabine wartet einer auf dich.”. Ich blicke auf und sehe Tarkan ungeduldig in der Tür stehen. Ich stehe auf und gehe mit in die Kabine und frage mich, ob wir jetzt Sex haben oder was ziehen wollten. Kaum ist die Tür zu, küssen wir uns. Also doch. Ich knöpfe seine Hose auf, doch kaum habe ich seinen Schwanz im Mund, durchzuckt mich eine ernüchternde Klarheit. Wir ziehen noch ein bisschen Speed. Kurz darauf liege ich auf einmal im Darkroom auf einer Schaukel, über mir Tarkan, meine Trompetenhosen in den Kniekehlen, die Beine angewinkelt aber Tarkan hat abwechselnd kein Kondom oder keine Erektion. Ich lasse mich Ewigkeiten in den Mund ficken und gebe gegen Nachmittag auf. Als ich um 15:00 Uhr meinen bisherigen Feierrekord gebrochen habe, bin ich sogar zu schwach, um meine Feierhosen gegen normale Jeans zu tauschen. Wie der Letzte Freak stolpere ich zum Taxi und lass mich heimfahren. Die Paranoia mit den Öffentlichen gebe ich mir schon lange nicht mehr.
Ich schließe die Tür meines Apartements auf und habe zum ersten Mal seit Ewigkeiten keinen Laptop zu Hause nach dem Feiern. Das übliche (erfolglose) Wichsen zu hochqualitativen hardcore-Pornographica entfällt. Dafür die erste Nase Heroin seit Monaten und ich muss feststellen, dass dies für mich den einzig sinnvollen Gebrauch von H darstellt: Seinen 140er-Feierpuls auf gesunde 90 runterzuregeln.

Der Rest der Woche vergeht mit Verdrängen. Abgesehen davon, dass meine Eltern – mittlerweile im Kontakt mit Suchtstation und Eltern-Selbsthilfegruppen – wirklich ein paar klare Worte benötigen würden, versucht mein Chef mich auf allen Kanälen zu erreichen. Ich habe keinen Bock, bin konstant zu dicht, hoffe und vertraue auf Selbstreinigungsfunktionen, versage, rauche:

Freitag

Ich sitze ziemlich bekifft in meinem Zimmer und warte auf die Ankunft von DonCasimir. Irgendwann in der nächsten halben Stunde muss sein Zug in Berlin ankommen. Ich trinke WodkaBull und bin froh, das Telefongespräch hinter mich gebracht zu haben. Das scheiss Telefongespräch.

Die ganze Woche hatte mein Chef versucht mich zu erreichen, probierte es per Handy, Email und bei meinen Eltern, aber ständig war ich zu dicht. Seit der Party letzte Woche rauchte ich einen Joint nach dem anderen. Einmal hetzte er mir sogar die Mitpraktikanten auf den Hals, die, morgens um elf - irgendwo zwischen dem zweiten und dem dritten Joint - penetrant an meiner Tür klingelten und gegen die Fenster klopften. Gegen Ende der Woche wurden die Mails und SMS nachdrücklicher: Wenn ich nicht sofort anrief, würde das Mexiko-Projekt gecancelled. Notgedrungen legte ich für ein paar Stunden das Gras beiseite. Als ich mich halbwegs nüchtern fühlte, es war etwa acht Uhr abends, rief ich meine Chef an und erzählte was von einem Musikfestival an der Ostsee, auf dem ich die erste Woche nach meinem Praktikum verbracht hätte. Kein Internet und so. Natürlich war - wie ich schon vorher wusste - alles in Ordnung, es ging um einen Besprechungstermin, wir verabredeten uns in einer Woche. Jetzt also ist das Telefongespräch erledigt und ich bereite mich mit Joints und WodkaBull auf DonCasimirs Ankunft vor.
Es wird eine krasse Woche werden - soviel ist klar. Dancemaster DonCasimir kenne ich seit meinen ersten Gehversuchen in der Technoszene.