Sonntag
Kurz nach Mitternacht passieren wir den Türsteher. Gleich und sofort treffen wir den Schatzmeister, kaufen Pillen. Ich chille noch zwanzig Minuten zusammengekauert in einer Chillecke, dann ist es vorbei mit der Erinnerung. Extatische Zwischenwelten. Irgendwo ist auf einmal der Nette Fucker, wispert: „Hochpotent!“ und steckt mir ein Gramm Speed. Und ein Teil. „Wo ist DonCasimir?“ Auf jeden Fall Mädchen überall. Ich entscheide mich heute für schwuchtliges Verhalten und ernte Frauen im Dutzend. Etwa die süße J-irgendwas; vor zwei Lines weissen Pulvers knien wir schwitzend am Klo und sie meint „Wie alt bist du?“ und ich „25“ und sie: „Ich bin ja noch voll das junge Küken, ich bin erst 20“ und ich „Passt doch!“ und sie, „25 und 20 das passt?“ und dann liegen wir im Chillout, sie ganz nah und weich und weiblich und fremd jedenfalls bin ich schon Sekunden später auf dem anderen Floor, da läuft gerade James Holden und sone Ami-Tussi tanzt mich an und ich bin sogar breit genug, um sie rankommen zu lassen, wir liegen, Techno und Hendrix-: Ich brauche mehr Speed. Dann sitze ich neben einem anderen Ami-Mädchen, sie aus Boston und gepflegteste Aussprache: „So what kinda music do YOU like besides Techno“ imitiert sie mich aber ich krächze nur „Sorry, i´m too fucking stoned to talk to you.“ Und wieder tanzen, rotzen und nebenbei noch zwei Teile. Plötzlich – nach Stunden – steht auf einmal DonCasimir vor mir, Umarmung und kurzes Dancegefecht. Ich soll ihm was aufstellen, kein Problem, meine Lieblingstranse ist am Start und verkauft auf der Toilette Pillen für vier Euro. In irgendeiner Kabine ziehe ich ne Nase Speed, kaum draußen geb ich DonCasimir die Teile, dann chill ich mich auf das Sofa in der Mädchentoilette. Chillen ist übertrieben. Vielmehr herrschen Hektik, Kauen, Laberflash. Längst habe ich die Sonnenbrille aus der Garderobe geholt, zu groß sind meine Pupillen. Nur Chicas auf dem Sofa und die eine lehnt sich wie nebenbei an mich als sie mir die Optik zeigt, das rote Fenster und da draußen das Industriegelände und ich nur: „Saukrass..“ Als sie aufsteht schweift mein Blick ganz natürlich ihr nacktes Bein hinauf, über ihren Minirock, über ihr Top, und trifft oben ein hübsches, ein wenig zu braunes Gesicht, das fragt: „Bist du alleine hier?“. Aber ich bin mit mindestens einer weiteren Gehirnhälfte da, und die verlangt nach Tanz – sofort. Auf dem Podest gelingt der Move am Besten, auf den Punkt spüre ich die Breaks voraus, kann nur lachen, weil alles so gelingt, weil alle herschauen … weil ich der King bin. Großkotzig bekaue ich meinen Kaugummi, und beschenke die Welt mit dem Move Gottes.
Aber langsam, sehr früh, lassen die Kräfte nach, und nirgendwo gibt es Speed. Etwa eine Stunde verbringe ich wohl mit Rumfragen, mit dem Angebot, die zwei Teile in meiner Hemdtasche gegen etwas Pep zu tauschen. Als es endlich wieder was gibt - klebrige weisse Masse in zusammengedrehten Plastikplomben - ist es erst um sieben und ich fühle mich bereits gefickt wie mittags um zwölf . Marc, das heimliche Objekt meiner Bewunderung, jedes mal im Berghain, so stylish und süß und unsagbar schwuchtlig und sophisticated zugleich, Marc jedenfalls lade ich dann auf eine Nase ein. Natürlich finde ich ihn zu toll, um ihn je anzumachen. Wahrscheinlich sogar eine beiderseitige Sache. Wir mögen uns. Wir respektieren uns. Zwei Sachen, die in der Schwulenszene selten koinzidieren. Jedenfalls schließen wir uns in einer Kabine ein um zu ziehen. Die Lampe geht nicht. Zuerst hacken wir das Speed direkt unter dem Türspalt klein, aber als sich das als zu kompliziert erweist, klettert Marc auf die Klobrille und macht die Lines an der Grenze zu Nachbartoilette zurecht. Er schüttet noch etwas MDMA-Pulver dazu, dann knien wir nebeneinander und ziehen alles weg. Draußen merke ich, dass ich nicht mehr tanzen kann. Zuviel oder zuwenig Drogen. Oder einfach nur am Ende. Reden kann ich auch nicht mehr, es gehen nur noch die ganz hohen und die ganz tiefen Frequenzen, das Resultat ist ein verschwindend leises Krächzen. Ich geh eine Etage hoch zur Panoramabar. Bin gefickt und wach und verpeilt zugleich. Ein flüchtiger Blick in die Toiletten, da lehnt Bomec mit nem Spanier an der Wand, Mann bin ich gefönt, - … Bomec?! Meine Fresse. Ich schlendere cool as cool can auf ihn zu und begrüße ihn mit Nachnamen. Bomec hält mitten im Satz inne, schaut nur und rutscht starrend und nichtssagend an der Wand hinunter. Ich helfe ihm vom Boden auf und irgendwie glaube ich freuen wir uns erst mal wie Sau uns zu sehen. Ich erkläre meinen Zustand und dass der Nette Fucker ebenfalls hier sei, Bomec checkt´s wohl noch einigermaßen, wundert sich über mein Outfit und will sofort Teile, Pep, Coca und Ketamin. -”Aber zu allererst verlange ich, dass man mir sofort – sofort - den Netten Fucker vorstellt!”. Nichts leichter als das, ich führe Bomec runter ins Berghain. Erst mal an die Bar. “Und wie geht´s dir sonst so?”, fragt Bomec. “Mir geht´s richtig dreckig.”, antworte ich. Die letzten Wochen waren krass, nothing but. Als er seinen Drink hat, führe ich ihn zu einem Sofa, dort liegt der Nette Fucker mit seiner Freundin, zeige kühl mit dem Zeigefinger auf ihn und krächze: “Das ist er.”. Die beiden kennen sich, dank Blog, aber irgendwie ist die ganze Situation zu drogengeschwängert, um auch nur einen Hauch von Empathie aufkommen zu lassen. Nur Minuten später bin ich mit Dancemaster DonCasimir im Taxi auf dem Weg nach Schöneberg. Ich kann nicht fassen, dass wir schon um neun gegangen sind.
Kaum zu hause spüle ich eine fette Antibiotika-Pille runter. Dann setze ich mich neben DonCasimir auf´s Sofa; wir schauen Tier-Dokus und trinken Tequila aus der Flasche ohne was zu merken. Der Puls rast. Ich entsinne mich der beiden Teile die ich in der Brusttasche meines Hemdes verstaut hatte und die irgendwann zerbröselten. Also drehe ich jetzt die Tasche auf links und lasse einen beträchtlichen Haufen blauen Pulvers auf den Tisch rieseln. DonCasimir legt sich davon sofort zwei Lines und zieht das Zeug weg. Dann verabschiedet er sich auf einen Spaziergang. Bis 21 Uhr nochwas schaue ich nonsens, dann klopft DonCasimir ans Fenster. Während der letzten Stunden hat er jeden Sexshop im Viertel abgeklappert und in einem Dönerladen ein Gramm schlechtes Koks gekauft.